Der (angeblich) ganz normale Alltag - Teil 1 - Asylbewerber und Staat werden von Vermietern abgezockt und keine PEGIDA, die dagegen protestiert

Seit Jahren lesen wir von Hotels und Pensionen in Berlin, die durch Vermietung von Wohnraum an Obdachlose lukrative Geschäfte machen. Das ist ein Unding, aber es hat sich etabliert und man hat sich daran wie an so Vieles gewöhnt. Statt nun Konsequenzen daraus zu ziehen und diesen Fehler bei dem Wohnungsproblem der Asylbewerber nicht zu wiederholen, wird (wie die Berliner Zeitung vom 06.02.2016 berichtete) noch Einer d'rauf gesetzt:
Laut Sozialstadtrat von Berlin-Mitte Stephan von Dassel (Grüne) haben alleine in diesem Bezirk Vermieter für 84 Wohnungen eine gewerbliche Nutzung zur Unterbringung von Flüchtlingen beantragt. Aber was bedeutet das: Eine normale Vermietung für 900 Euro monatlich würde als Gewerbemiete ca. 10mal so hoch sein. Das ist selbst dem Senat zu kostspielig, obwohl er ja durch den Mangel an Wohnungen in Berlin u.a. durch Abriss selbst verschuldet hatte und sich dadurch "erpressbar" gegenüber unangemessenen Mietforderungen gemacht hat. Immerhin lässt das Lageso bis zu 50 Euro/Kopf täglich springen, wenn es Flüchtlinge z.B. in Hostels unterbringt: Die Berliner Zeitung gibt als Beispiel eine Drei-Raum-Wohnung mit sechs Personen an, die so maximal 9000 Euro einbringen könnte.
Zwar wurden diese 84 Anträge abgelehnt, aber Andreas Gerl, der Besitzer zweier Häuser in der Wollankstraße in Wedding, hat Widerspruch gegen diese Entscheidung eingelegt. Andreas Gerl ist ein Dr. jur. und saß für die SPD von 1975-90 im Abgeordnetenhaus. Zwar ist er seit 10 Jahren kein Partei-Mitglied mehr, aber warum auch - er gibt sich ohne Parteibuch weiterhin "sozial" und ist sich sicher, dass das "öffentliche Interesse" größer daran ist, den Flüchtlingen im Winter ein Dach über den Kopf zu geben (er hat die Nutzung "nur" für die Wintermonate beantragt), als an den Erhalt dieser Wohnungen für den Wohnungsmarkt. Das kann durchaus sein, aber warum muss der Senat diese Vermieter in ihrer Gier noch unterstützen?
Vor knapp 10 Jahren ließ der damalige Regierende Bürgermeister Wowereit im ehemaligen Ost-Berlin Wohnungen abreißen, die erst in den 80er Jahren gebaut worden waren; Grund: Angeblich standen zu viele Wohnungen leer. Zwar suchten schon damals Studenten verzweifelt nach Wohnraum, Obdachlose gehörten seit jeher zu Berlin und jedem halbwegs zurechnungsfähigen Politiker war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ein Flüchtlingsstrom (von woher auch immer) bald Deutschland zum Ziel haben würde. Andererseits lässt künstliche Verknappung des Wohnraumes die Mieten steigen und deshalb muss wieder neu gebaut werden. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als in den berliner Lokalnachrichten im Radio und TV immer mit ganz trauriger Miene davon berichtet wurde, dass der Grundstückspreis in Berlin im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten zu niedrig ist. Ich hatte mich schon damals ständig gefragt, für wen zu niedrig? Aber als dann die große Hungersnot unter den Groß-Vermietern ausbrach, während all die Arbeitslosen in spät-römischer Dekadenz schwelgten, wurde mir bewusst: "So geht es nicht weiter!" Glückerlicherweise erhöhten sich die Grundstückspreise dann doch endlich und mit diesem Vorgang kamen all die wichtigen, innovativen Menschen, die Berlin (angeblich) immer gefehlt hatten.
Von den abgerissenen Wohnung (wegen des angeblichen Leerstandes) spricht heute niemand mehr. Jetzt wird wieder von Wohnungsbau gesprochen und die dadurch entstehenden Arbeitsplätze. Die abgerissenen Wohnungen von Ost-Berlin sind längst vergessen. Das ist kein Wunder, wenn selbst die Griechenland-Krise, die ja immer noch andauert, kein Thema in den Medien mehr ist. Ein paar hundert oder tausend Wohnungen in einer 4-Millionenstadt sind dann eben nur noch Erdnüsse (besser bekannt als "Peanuts").
Wieso regen sich eigentlich PEGIDA-Anhänger nur über die Kosten der Asylbewerber auf und nicht über die Leute, die wirklich davon profitieren? Wieso wird nicht vor deren Häusern protestiert/ demonstriert, wenn man denn das unbedingt tun will?
Wer nun meint diese Unterkünfte für Asylbewerber seien nur so mies, weil die Asylbewerber genau für diesen Zustand selbst verantwortlich seien, sollte stellvertretend einfach die Bewertungen vom Rix-Pack, einem Neuköllner Hostel, lesen Link Die Bewertungen waren schon schlecht, als dieses Hostel noch gar keine Flüchtlinge beherbergte. Bis zu 50 Euro pro Tag und Kopf werden verpulvert, damit Flüchtlinge im Dreck leben. Ich bitte um Entschuldigung für meinen Sarkasmus, aber das hätte man billiger haben können. Aber wahrscheinlich irre ich mich, ich bin ja auch kein erfolgreiches, cleveres Schlitzohr - zum Glück will ich an dieser Stelle hervor heben.
Einerseits werden all die Freiwilligen, die ihre Freizeit für Flüchtlinge opfern, um diesen kostenlos zu helfen, gelobt. Andererseits wird denen, die nur an Flüchtlinge verdienen wollen, das Geld hinterher geworfen. Geld ist eben nicht nur ein Tauschmittel (Geld gegen Ware), sondern eben auch ein Wertmesser, dass vergisst der Senat. So manch einer dieser Profiteure nimmt dann die Kohle sogar noch mit, obwohl er generell gegen Flüchtlinge eingestellt ist und posaunt das auch noch in die Welt. Das ist dann für die einen das Märchen vom "cleveren Geschäftsmann und dummen Gutmenschen"; für mich bleibt es aber einfach gierige staatlich unterstützte Abzocke.
Ach, ganz unter uns: Mir gehört weder ein Hostel, noch war ich als Freiwilliger in Sachen Flüchtlingshilfe unterwegs; weder gehöre ich zu der Klientel, die alles und jeden als kulturelle Bereicherung für Deutschland ansieht oder Angst hat "mit Deutschen allein gelassen zu werden", noch habe ich Angst davor, dass ich in den nächsten 10 Jahren auf Druck von Flüchtlingen zum Islam konvertieren muss.

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