Der (angeblich) ganz normale Alltag - Teil 2 - Das Märchen von der "German Angst"

Der Begriff German Angst kommt laut der deutschen Wikipedia aus dem angelsächsischen Sprachraum und beschreibt eine kollektive Verhaltensweisen (eine Art von Zögerlichkeit) der Deutschen, die Briten und Nordamerikaner angeblich als charakteristisch und typisch empfinden. Als Ursprung dieses Begriffes "German Angst", von dem immer wieder behauptet wird, er wäre in den allgemeinen Sprachgebrauch von Amerikanern und Briten als Germanismus wie z.B. "Kindergarten" oder "Weltschmerz" eingegangen, will z.B. die Tageszeitung "Die Welt" konservative US-Politiker ausgemacht haben, die diese Wortschöpfung als abwertenden Kampfbegriff während des 2.Golfkrieges etablierten, als die damalige deutsche Regierung mit den US-Amerikanern in Sachen Irak-Invasion nicht mitzog.
Merkwürdigerweise findet man aber im w.w.w. fast nur deutschsprachige Artikel über den angeblich so gängigen und häufig benutzten Germanismus, so dass bei genauer Betrachtung in mir der Gedanke aufkommt, dass in Deutschland nur der Eindruck entstehen soll, als ob im angelsächsischen Sprachraum die Begriffe Angst und Deutschland eine Einheit bildeten.
Die Welt - insbesondere natürlich die amerikanische und britische - "amüsiert" sich laut deutschen Medien über den Elefanten "Deutschland", wenn er hysterisch und kopflos durch den Porzellanladen rennt, weil er wieder einmal eine kleine, harmlose Maus gesehen hat. Und dann noch diese deutsche "Technikfeindlichkeit" - tzzz!!! Es entsteht der Eindruck Deutschland bzw. die Deutschen seien vor Angst starr und gelähmt, während der Rest der Welt an uns kopfschüttelnd und ungläubig lächelnd vorbei zieht.
Während die "German Angst" wahrscheinlich nur von den deutschen Medien aufgebauscht wurde, um der deutschen Bevölkerung tatsächlich eben Angst zu machen, so wird z.B. von Newsweek Europa und insbesondere Deutschland eine Art von Technophobia vorgeworfen, also technik-feindlich zu sein. Aber Eines nach dem Anderen.

Die Vorwürfe der Angst und Technikfeindlichkeit dienen der Zerstreuung von Bedenken in der Bevölkerung.
Erst Bedenken zerstreuen: "Alles nicht so schlimm. Habt Euch 'mal nicht so. Die Anderen machen das auch, ohne aufzumucken!" Dann mit Konsequenzen drohen:"Die Anderen lachen uns schon aus! Sie ziehen an uns vorbei! Statisken und Ratings belegen das! Deutschland vergreist!" usw..

Also die German Angst ist nicht made in USA, sondern made in Germany, sollte eher mit How to make the german people Angst betitelt werden und ist trotz englisch klingenden Namen so deutsch wie einst Roy Black.
Aber was heißt hier eigentlich "deutsch", "amerikanisch", "britisch". Ich persönlich bin weder 2014, 1990, 1974 und schon gar nicht 1954 Fußball-Weltmeister geworden. Ich war weder jemals Export- noch Reise-Weltmeister. Natürlich habe auch ich Angst wie die meisten anderen Menschen, aber das ist keine "German Angst". Ich persönlich finde es eher bedenklich, dass Menschen in den USA sich durch eine soziale Absicherung wie z.B. eine gesetzliche Krankenversicherung vom Kommunismus bedroht fühlen. Da scheint das Angstmachen ja erfolgreich zu sein.

Aber wenn ich z.B. heute einfach den Begriff ("German Angst") eingebe, erfahre ich, dass die mittlere Generation ab 55 Jahren besonders pessimistisch ist. Aha? Ist das in anderen (westlichen) Ländern anders? Die Leute haben Angst vor Terroranschläge und Hunderttausenden Flüchtlinge (Focus). Unterscheidet sich da Deutschland besonders von Frankreich, den USA oder Italien? Ein Teil der Bevölkerung befürchtet, dass die Schere zwischen "Arm und Reich" noch weiter auseinander geht? Ist das völlig unbegründet?
Und gegen welche hilfreiche Technik ist oder war man in Deutschland denn laut den Medien so feindlich eingestellt: Gen-Manipulation, Atomkraftwerke, Street-View, gläserne Mensch (remember "The Volkszählung" from the 80's), Argwohn gegenüber der Pharma-Industrie, Nano-Technologie. Ich gebe zu, von alledem keine Ahnung zu haben. Aber ehrlich gesagt, hätte ich keine Lust in der unmittelbaren Nähe von einem Atomkraftwerk zu leben, wäre argwöhnisch gegenüber Medikamenten, die in den USA erlaubt, aber in den meisten Ländern Europas verboten sind; wenn ich die Wahl zwischen gen-manipulierten und anderen Lebensmitteln hätte und man mich daraufhin persönlich hinweisen würde, würde wahrscheinlich sogar ich ein schlechtes Gefühl bei dem gen-manipulierten Fraß bekommen
, ich könnte auch ohne Streetview von Google leben und habe bis jetzt noch nie ein Handy besessen. Und wenn ich jetzt öffentlich meine Meinung hier aufschreibe, so dass es jeder lesen kann? Google weiß doch noch viel unangenehmere Dinge über mich.

So weit bin ich vom 55.Lebensjahr auch nicht mehr entfernt und mit jedem Lebensjahr trage ich aktiv zur "Vergreisung" in Deutschland bei, nur nenne ich es stattdessen hohe Lebenserwartung. "Vergreisung" klingt mir persönlich nämlich zu ängstlich und negativ.

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