CHUCK BERRY zum 90.Geburtstag oder wie ich meine erste Chuck Berry-Platte bekam - CHUCK BERRY 90. anniversary or how I got my first Chuck Berry record

Im November/ Dezember 1977 wurde erstmals eine offizielle Klassen-Fete unter Aufsicht unseres neuen - damals jungen - Klassenlehrers gemacht und zwar außerhalb der Schule in einem Jugendheim in West-Berlin (vergleichbar mit einem Jugend-Club in der DDR).
Ich befand mich am Ende des 1.Halbjahres der 9.Klasse und hatte mich seit ca. einem Jahr versucht, näher mit Musik zu beschäftigen. Die Beatles und Stones schienen uns damals bessere Musik zu machen, als das, was aktuell in Ilja Richters DISCO oder der ZDF-Hitparade lief. Irgendwie hatte mein Umfeld und ich aber nicht so richtig Ahnung, wie man dieses Wissen vertiefen könnte. Glücklicherweise hatte unsere Klasse seit dem Sommer 1977 zwei neue (und ältere) Mitschüler hinzu bekommen, die selbst Musik machten (im Gegensatz zu uns) und sich in der Geschichte der aktuellen und älteren Rockmusik besser als wir auskannten, (was allerdings relativ leicht war - so hielt ich tatsächlich einmal mehrere Monate den Komiker JERRY LEWIS für die gleiche Person wie den Rocker JERRY LEE LEWIS, bis ich mal eine Platte von einem Kumpel ausborgte, die seinen Eltern gehörte).
Schon in diesen paar Monaten vom August bis zum November 1977 merkte ich, dass es im Radio wirklich Informationen über die Geschichte der Rockmusik gab und dabei fiel der Name CHUCK BERRY recht häufig. Aber einmal mehrere Lieder am Stück zu hören, war mir zu diesem Zeitpunkt nocht nicht vergönnt gewesen. Durch IAN DURY's grade veröffentlichtes "Sweet Gene Vincent" hörte ich z.B. zum ersten Mal von diesem Sänger (Gene V.) und es sollte Monate dauern, bis ich ihn dann zum ersten Mal in einer alten Fernsehsendung hören und sogar sehen konnte. Die Zeitspanne zwischen dem erstmaligen Hören des Namens eines Interpreten und dem Hören seiner Musik war i.d.R. sehr viel größer als heutzutage. Zwar war mir Chuck Berry schon 1977 ein Begriff, aber eher als jemand der - genau wie z.B. BILL HALEY durch die Discos mit 20 Jahre alten Liedern tingelte. Die Eltern meines Kumpels hatten z.B. eben diesen Bill Haley im CHEETHA (einer Disco in Berlin-Neukölln) live gesehen und waren alles andere als begeistert. Chuck Berry spielte z.B. 1975 oder 1976 in der Hauptstr. in Berlin-Schöneberg in einem ehemaligen (Vorstadt)-Kino das kurze Zeit unter dem Namen ROXY MUSIC HALL firmierte und in einem der Läden der JOE-Kette (Bierhaus, am KUdamm, Schnappshaus) spielte jemand, der vorgab LITTLE RICHARD zu sein und wurde erst Tage später als Betrüger entlarvt. So etwas klingt für einen Teenager, der schnell ein hartes Urteil fällt, nicht grade bedeutend oder wertvoll, wenn man bedenkt, dass die Rolling Stones zu dieser Zeit riesige Hallen (Deutschlandhalle oder früher Waldbühne) bespielten und die Beatles mit Millionen-Verträgen zur Wiedervereinigung überredet werden sollten.

Aber zurück zum Erhalt meiner ersten Chuck Berry Platte, der eng mit dieser ersten Klassen-Fete zusammen hängt. Zwar gab es im Clubraum des Jugendheimes eine Anlage inkl. Plattensammlung, aber das war natürlich die Art von Musik, die mich nicht interessierte. Da ein paar Wochen vorher der Soundtrack von SATURDAY NIGHT FEVER heraus gekommen war, wurde das ganze Album herunter gedudelt. Der "DJ" war hauseigen und ignorierte (zumindest die Jungens) unsere(r) Klasse. So eine Musik wollte ich nur unter Einfluss von Alkohol hören, was ich dann auch tat. Gegen Ende der Party hatte dann ein anderer, etwas kräftigerer und draufgängerischer meiner Kumpels den DJ seines Amtes "enthoben" und so etwas in Richtung DOORS und CCR und sogar IAN DURY gespielt, aber dann war die Fete auch schon so gut wie zu Ende und man forderte uns auf, unsere mitgebrachten Platten mitzunehmen und den Heimweg anzutreten. Der "DJ" sortierte die Platten aus, die er für die unserer Klasse hielt, hob sie kurz hoch und fragte "Wer hat die mitgebracht?" und wenn sich keiner meldete, ging sie in den Besitz des Jugendheimes über. Wer also grade auf dem Klo oder sonstwo anders war, hatte Pech. Er zeigte auch diese im Video zu sehende KINGS OF ROCK AND ROLL Platte in die Runde und plötzlich behauptete ein Kumpel, der nicht eine einzige Platte (genau wie ich selbst) mit gebracht hatte, es sei seine. Ich fand diese Behauptung zwar dreist und unverschämt, wollte ihn aber vor diesen Spinner auch nicht bloß stellen und sagte "Nee, das ist doch das Doppel-Album, das ich dir augeborgt hatte!" So kam ich endlich zu meiner ersten Chuck Berry Platte und es waren zum Glück die Aufnahmen aus seiner Zeit beim Chicagoer Label CHESS und nicht die Re-Recordings vom MERCURY-Label. Ich fand a l l e Lieder gut - besonders die eher untypischen HAVANNA MOON, BROWN-EYED HANDSOME MAN und WEE HOURS. Die Aufnahmen von Bill Haley und Little Richard waren Live-Aufnahmen, aber auch gut hörbar. But Chuck's music was top!!!!!!!!

I got my first CHUCK BERRY record in December 1977 by accident. I was in the ninth grade when our 1st official class party took place outside our school organized by our then young class teacher. The place was a so-called Youth/ Recreation Center which also provided the "DeeJay". Weeks before that happened the Soundtrack to SATURDAY NIGHT FEVER was released: a music I was absolutely not interessted in. Unfortunately this music was the most featured on that particular party.
I liked early Rock and Roll, Beatles, Stones even back then but did not know much records or music. In 1977 early Rock and Roll was considered yesterday's news by most teenagers and nostalgia for their parents:
I remember reading in the newspapers and watching the photo about CHUCK BERRY performing in a former suburbian Cinema in West-Berlin in 1975 or 76 that I visited years back with my grandmother and that he refused to go to the stage because he found out about the then current exchange advantage between Dollars and D-Mark and suddenly insisted on getting paid in Dollars only before the concert.
I remember the parents of a schoolmate of mine who watched Bill Haley playing his hits for about 40 minutes under the influence of alcohol being disappointed.
I remember an imposter who claimed he was LITTLE RICHARD and the West-Berlin audience only realized it days later (he did that in other european countries before and was sent by a former manager of Little Richard btw).
As I mentioned I got my first Chuck Berry record by accident and saved it from getting unheard for the rest of its existence I guess. After the class party ended the so-called "DeeJay" sorted out the records that were not his, raised them briefly, and asked, "Who brought them?" And when no one answered, the records passed into the possession of the Youth/ Recreation Center (or maybe even the "DeeJay"). The party more or less ended a little bit more sudden as planned after one (or some of my) classmate(s) "dissmissed" the "DeeJay" on their own for ignoring their requests.

When the "DEEJAY" showed the KINGS OF ROCK AND ROLL record (featured in the video) a buddy of mine who did not bring a single record to the party (like myself) claimed he was the owner. I thought this statement was impudent, but I did not want to expose him to this unsymphatic "DeeJay" and said, "No, that's the double album I lend you!" So I finally came to my first Chuck Berry record and it fortunately featured the recordings from his time with the Chicagoan label CHESS and not the re-recordings of the MERCURY label. I found e v e r y song fantastic - especially the rather untypical HAVANNA MOON, BROWN-EYED HANDSOME MAN and WEE HOURS. BTW the recordings of Bill Haley and Little Richard on this record were live recordings and not their originals but okay. But Chuck's music was great und still is top for me - even 39 years later !!!!!!!!

Kommentare

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Go! Go! Go!
Thanks a lot!
Framat

You did an excellent job, Boyd!
Heino

Moin Framat,Du bist ja ein unglaublicher fleißiger Mensch. Für die Biographie hast Du sicher Tage gebraucht. Schön,dass Du musikgeschichtlich so aktiv bist. Es bleibt also erhalten,was vielleicht schon in der Versenkung verschwunden wäre.Gratulation und Grüße Karl

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Hallo Karl!
Am aufwendigsten waren mein James Blood Ulmer Artikel und meine Beiträge in "Der (angeblich) ganz normale Alltag" und "Zum Teil cineastisch - von Pasolini bis Bonanza - Nicht-Aktuelles aus der Film- und Fernsehwelt" unter http://framat.de/artikel Da musste ich wirklich viel recherchieren und saß Tage daran. Mein Chuck Berry Beitrag hier basiert nur auf meine Erinnerung aus der Zeit und konnte von mir relativ "Schnell" geschrieben werden (deshalb leistete ich mir auch den Luxus einer "Übersetzung" ins Englische). Chuck Berry kommt im Prinzip nur am Rande vor - irgendetwas Fundiertes über diesen Musiker zu schreiben, hätte Tage der Arbeit bedeutet und bei solchen Größen gibt es natürlich Unmengen an Infos, viel Wichtiges, aber noch mehr Unwichtiges und sogar Unrichtiges. Allein das zu bewerten, ist ein hoher Arbeitsaufwand. Ich kenne allein schon zwei Menschen, die mit Chuck Berry persönlich zu tun hatten und völlig unterschiedliche Erfahrung mit ihm machten. Ein Ex-Nachbar aus dem Sudan hatte ihn z.B. in seinen afrikanischen Imbiss in Berlin-Moabit eingeladen und nahm die Einladung tatsächlich (zusammen mit Memphis Slim) an und war sehr umgänglich. Wiederum ein anderer, in dessen Band ich mal den Bass zupfen durfte, hatte mit ihm zusammen in der "Neuen Welt" ein Konzert gegeben, was er als Katastrophe bezeichnete und Mr. Berry's Benehmen war auch nicht so weit davon entfernt.

Hallo Frank,
da hast Du ja auf einem spannenden Weg ein feines Schnäppchen ergattert. Gut zu lesen!
Glückwunsch
Siggi

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Hallo Siggi!
Ich habe grade mal das www. durch forstet: 15 Euro muss man für die 1972 oder 1973 veröffentlichte Platte berappen, die dann aber in einem exzellenten Zustand sein soll. Wie beschrieben habe ich mein Exemplar gebraucht aus einem Jugendheim erhalten. Ist natürlich nicht vergleichbar mit einem Exemplar, das 1972 sofort in eine Schutzhülle gesteckt wurde und auf einer teuren Hi-Fi-Anlage abgespielt wurde. Bei mir war das noch ein Jahr ein Single-Plattenspieler, der mit Batterien betrieben werden konnte und sogar noch auch 78 Umdrehungen eingestellt werden konnte. Aber die Platte war ein guter Einstieg für mich. Einen Tag später hat mir ein Nachbarsjunge noch stärker zerkratzte LPs von den Stones überlassen "Beggars Banquet" und "Great Hits" https://www.discogs.com/de/Rolling-Stones-Great-Hits/master/52775 Great Hits fand ich sogar damals noch besser als Beggars B.. Da konnte ich auch die Stones-Version von Around&around hören, die ich sogar noch etwas besser als das Original fand.
Gruß
Frank

Sehr gut gemacht, Frank! Aber die Arbeit hast Du Dir schön gespart:).Vieleicht hättest Du das Video noch mal mit einem veränderten Text hochladen können.
Grüße, Heino

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Ich hatte schon den Titel des Videos verändert und so versucht, den aktuellen Bezug zum runden Geburtstag herzustellen. Ich hatte das eine Video schon vor genau einem Jahr aufgenommen - bei so hochbetagten Menschen weiß man nie, ob es noch ein nächstes Mal gibt. Kirk Douglas wird vermutlich seinen 100. Geburtstag auch erreichen, aber selbst das kann man nur unter Vorbehalt sagen. Ich wollte mit dem Artikel hier eine kleine persönliche Erinnerung aufschreiben und ein wenig zeigen, wie ich als Teenager - und nicht nur ich - die heutigen über alles erhabenen, legendären Figuren der Musikgeschichte einschätzte. Ich kannte einige Leute, die Chuck Berry nur von seinen Mercury-Aufnahmen her kannten und ihn daher nur mäßig gut fanden. Plattenfirmen haben ja damals ziemlich getrickst mit Titeln wie GREATEST HITS oder ORIGINAL ARTIST.
Gruß
Frank

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