009 Framat's music blog in german & english language 16th of September 2016

Diese Mitt-September-Woche wurde es in Berlin noch einmal so richtig heiß: über 30 Grad!!! Nicht grade ideal für Straßenmusik; besonders wenn ich meinen Platz, der bis 16:00 Uhr in der knalligen Sonne ist, berücksichtige. Dennoch wollte ich mindestens dreimal auf der Straße spielen. Montag und Dienstag überarbeitete ich Playbacks mit Band-in-the-box und probte zu einigen davon. Mittwoch wollte ich spielen. Doch plötzlich funktionierte mein Mini-Mp3-Player nicht mehr. Er war immerhin schon über 6 Jahre alt und hatte damals knapp 15 Euro gekostet. Kein großer finanzieller Verlust, aber warum gehen denn Sachen immer dann kaputt, wenn man es am wenigsten erwartet? Irgendwo hatte ich noch einen zweiten MP3-Player von ähnlicher Qualität. Nach längerer Suche fand ich das Gerät und spielte halbfertige Playbacks darauf, um zu üben.
Mittwoch wollte ich dann los nach Tempelhof, aber als ich die fertigen Playbacks überspielen wollte, wurde plötzlich der MP3-Player nicht mehr am PC erkannt. Den restlichen Tag und Teile der Nacht verbrachte ich damit, Registry, Datenträgerverwaltung etc. zu verändern und plante per Kommandozeilen den Player doch noch zum "Erscheinen" zu "überreden": zwecklos.
Donnerstag kaufte ich mir einen neuen Player und kam dann wieder nicht zum Spielen, weil viele aufgeschobene Dinge erledigt werden mussten. Freitag war es dann nicht mehr ganz so heiß: 29 Grad. Also gab es keine Ausreden mehr! Und damit in diesem Blog auch mal ein richtiges Straßenmusik-Video zu sehen (und z.T. zu hören) ist, nahm ich Kamera und Stativ zusätzlich zur Gitarre, dem Verstärker, meinem Hocker u.a. mit auf mein Fahrrad. Schließlich ist das Ullsteinhaus (das Backstein-Gebäude aus dem Jahr 1925 im Video-Hintergrund) nur 6 km entfernt.
Als Gitarre wählte ich meinen Vintage-Telecaster-Nachbau. Leider hat er den Nachteil, dass er nicht nur wegen der single-coil-pickups leiser, sondern auch noch störanfälliger (Nebengeräusche) ist. Das Straßenpublikum unterscheidet sich vom Bühnenpublikum u.a. dadurch, dass es aus allen Richtungen kommt. Natürlich spiele ich einen Fixpunkt an: den Fahrstuhl zum U-Bahnhof Ullsteinstraße. Da geht auch die Mehrzahl der Fußgänger vorbei und verweilt z.T. als Zuhörer. Aber mancher steht auch schräg hinter mir oder lehnt sich über das Brückengeländer, während er auf das Wasser schaut und den Fuss im Takt zur Musik mitwippen lässt. Der Restaurantleiter eines nahe gelegenden Geschäftes kommt zu mir: Statt der von mir erwarteten Beschwerde über die Lautstärke, meint er, warum ich nicht, auf die Terrasse des Restaurants spiele und dann "mit dem Hut herum gehe". Gut gemeint, aber erstens sagt er das nur Vorbeigehen und zweitens wollte ich wenigstens heute mal mindestens 90 Minuten am Stück spielen, was natürlich im Restaurant nicht geht.
Leider konnte ich meine neuen Playbacks (und Lieder) am Freitag noch nicht ausprobieren, dazu hatte ich doch zu viel am PC gebastelt, statt zu proben bzw. sogar zu üben. Aber nach 100 Minuten war ich dann doch froh gespielt zu haben. Da ich jetzt nur noch Gitarre spiele, stelle ich bei mir zwei Arten von Songs fest: Die einen sind Improvisationen über Akkordfolgen (meist Blues-Schema) und eher zum Zuhören gedacht, die anderen (wie im Video) sind leichte Variationen von einem oder zwei Themen, die sich über sieben Minuten ständig wiederholen. Diese dienen eher als Hintergrund- oder - wer will - Tanzmusik (siehe Video).

This mid-week of September was again really hot in Berlin: over 30 degrees !!! Not exactly ideal for busking considering that the place where I am playing lies in the direct sunlight until 4 pm. Nevertheless, I wanted and had to play my guitar at least on the last day of the week (Friday). I wanted to play three times at least but two of my old mp3-players had broken down or were ignored by the usb-port of my PC although I did everything from changing the registry to about doing every trick I could get from the www..
So I played for 100 minutes and filmed the last 10 minutes of it. You may hear more street than music on the video-clip but that is due the use of the integrated camera-mic and the fact that the camera is too far from the amp and in a not very good ankle to get a proper audio-recording. I played on my single coil Telecaster but proably it would be much better to use a Guitar with Humbucker pick ups instead. Humbuckers are much louder and the sound is clearer with less unwanted noises. After all I play not from a stage and people and listeners come from all directions. No problems with a humbucker pick up but with singel coil pick ups my change of direction produces sometimes unwanted noises (like in the video :-) I did not take my harmonicas with for the few last street gigs and playing the guitar I can divide my songs into two categories: Improvisation over chord schemes (mostly Blues Schemes) or repitive themes with a few variations of one or two themes like in the video clip. The first kind of improvisations are more for listeners while the second kind of songs are more background or even dance music. Today I was invited to play on the terrasse of a restaurant but I was not in the mood to play for about 20 minutes but prefered to play at least 90 minutes non-stop. BTW the building you see in the background is the Ullstein-Haus. Built in 1925 it is some kind of Brick Expressionism and used to be a printing house for books and newspapers. Today you'll find a lot of start up companies and many people who would describe themselves as very "creative".

Kommentare

Guten Morgen, Frank!
Dein Video hat mir sehr gefallen.....Sraßenmusik ist schon was feines.
Grüße,Heino

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Kommt immer auf die Umstände an. Die Atmosphäre mit den Hütchenspieler war schon nervend und hektisch - das überträgt sich auf die Passanten, die praktisch z.T. im "Dauerlauf"-Tempo an den Spielern vorbei gingen und von denen sich dann wieder auf meine Musik. Besoffene o. ä., die vor einem stehen und irgendetwas Unverständliches brabbeln sind auch nicht unbedingt etwas Feines. Das Ordungsamt oder irgendwelche Aktivisten, die Wahlkampf machen und dasselbige anrufen, mit dem Ziel, dass die Angestellten dieser Behörde dann einen "entfernen" sollen, sind ebenfalls eher unfein. Straßenmusik hat für mich den Vorteil, dass ich mich nicht bei irgendwem "bewerben" muss, der mir dann sagen wird, wie lange und wann (und vielleicht auch noch was)ich spielen darf. Musikmachen ist für mich interessant bzw. etwas Feines, ob das auf der Straße, im Club etc. ist, darauf habe ich nur z.T. Einfluss. Aber im "Club" spielen und dann nach jedem Set den Hut herum gehen lassen zeigt, wie wenig Musik von den Club-Betreibern geschätzt wird. Die Leute sollen dort in 1.Linie konsumieren - 4-5 Euro für ein großes Bier, das im Laden um die Ecke nicht einmal einen Euro kostet, ist okay - 4-5 Euro für Livemusik ist bei vielen schon eine Barriere :-) Wer meine Musik hören will und Bier trinken will, hat das sehr viel billiger als im Club und kan das zu einer "zivilen" Zeit tun.
Gruß
Frank

Hi Frank!
Mit den 'Umständen', die Du aufgezählt hast, hast Du schon Recht...natürlich ist die Privatperson sehr beschnitten in seinen Möglichkeiten...wozu braucht man das Ordnungsamt!? Scheiß drauf..mach einfach Dein Ding. Es ist schon besser, in einem Club zu spielen und man sollte auch gewürdigt werden.Es ist halt dieses neoliberalistische System und diese verquere Welt, was die Menschen zu geldgeilen Idioten macht, die sich einen feuchten Kehricht um den Mitmenschen scheren.
Hoffentlich hast die Tage mehr Erfolg mit Deinen Bemühungen...
Grüße, Heino

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Hallo Heino!Das Ordnungsamt macht in einer Großstadt wie z.B. Berlin schon Sinn - auf so engen Raum geht es nicht ohne Regeln. Es kommt natürlich immer darauf an, was und wie viel geregelt wird. Bei einem italienischen Straßenmusiker wurde z.B. beanstandet, dass er auch eigene CDs verkaufte, aber dafür keine Erlaubnis hatte - das ist natürlich Unsinn und Haarspalterei. Ich habe nicht unbedingt nur von meinen Bemühungen/Erfolgen/Erfahrungen/Mißerfolgen geschrieben: Ich versuche die Tatsachen richtig einzuordnen. Straßenmusik hat viele Nachteile,(die die meisten Musiker ziemlich schnell sehen), aber eben auch ein paar Vorteile, (die oft von Musikern übersehen werden), die mir entgegenkommen. Und dann kann jeder für sich selbst abwägen, ob es für ihn oder sie okay ist, zu spielen oder es sein zu lassen. Aber für mich ist es besser, einfach zu spielen, wenn es die klimatischen Verhältnisse und mein persönlicher Zeitrahmen es erlauben, statt auf so genannten "offenen Bühnen" für lau mal 15-20 Minuten spielen zu dürfen :-) oder alle vier Wochen vor 20-40 Zuschauern mal drei Sets a 40 Minuten 10-150 km von meinem Wohnort entfernt vorzutragen. Letztere Auftritte muss man sich erstens beschaffen - genügend davon, da Nachfolge-Auftritte i.d.R. eben doch recht viel später kommen, was Zeit kostet und dann muss sich das auch noch rechnen und darf kein Verlust-Geschäft werden. Und dann ist eben der Zeitaufwand sehr hoch, der für diese Art von Vorbereitungen d'rauf geht, ohne dass man einen einzigen Ton gespielt hat. Danke für die Rückmeldung

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Das Gebäude im Hintergrund auf meinem Clip ULLSTEINHAUS
wurde von den Zalando Brothers gekauft.

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