007 Framat's music blog in german & english language 25th of August

Gestern spielte ich jeweils ein 45-Minuten-Set mit der Mundharmonika, dem Vox-Amp und meinen Playbacks an den folgenden drei Orten. Ausgerechnet gestern kam dann der Sommer inklusive knalliger Sonne zurück. Etwas "Weniger" wäre "Mehr" gewesen. Was soll es - ich musste weder schwere Steine schleppen noch andere körperlich schwere Arbeit in der Sonne verrichten. Geschwitzt hatte ich natürlich trotzdem.
1. Tempelhof (Tempelhofer Hafen auf der Seite des Ullsteingebäudes): Dieser Ort ist zwar kein Außenbezirk, aber eben auch alles andere als City. Hier verirrt sich wohl eher selten ein Tourist geschweige denn ein Straßenmusiker. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit wird einem entgegen gebracht, manchmal sogar so etwas wie Freude. Gestern waren die Tempelhofer anscheinend "gut drauf". Der Rest musste dort arbeiten und veriirt sich genauso selten wie die Touristen dorthin. Wer Berlin (und die Berliner) "wirklich" kennen lernen möchte, sollte ruhig einmal einen Abstecher dorthin machen. So unspektakulär und wenig wichtigtuerisch kann Berlin auch noch sein - fragt sich wie lange noch.
2. Schlossstraße Nähe Titania Palast. Ich war dort schon letzten Monat "aufgetreten": Herrman Ehlers Platz ca. 2 Km entfernt gelegen. Ein schattiges Plätzchen gefunden und dann los gespielt. Wie der Zufall es will, macht auf der Einkaufsmeile meine Mutter mit einer Bekannten Besorgungen, die sich wohl wunderte, warum meine Mutter irgendwelche Straßenmusiker "anquatschte". Aber eigentlich wollten die Leute schnell ihre Besorgungen erledigen und dann schnell nach Hause, in den Garten, an einen See oder ins Schwimmbad. Das kann ich gut verstehen. Die Schlossstraße in Steglitz hat zwar mehr Touristen als der Tempelhofer Damm aber für die Mehrzahl ist hier einfach nur Mitte der Woche und ein schöner Spätsommertag, den man am besten irgendwo anders genießen will. Daran ändere weder ich noch meine Musik etwas.
3. Potsdamer Platz. Hier kann sich der geneigte Tourist mit einer Rischka durch die Gegend kutschieren lassen, irgendwelche Mauer-Reste anstarren etc.. Ich spielte vor dem Bahnhof. Die Akustik war recht passabel. Aber leider wird man öfter von Touristen kontaktiert, die recht detailierte Informationen über irgendwelche Veranstaltungen etc. erwarten: Nicht grade einfach, wenn man eine Mundharmonika zwischen den Zähnen hat und eigentlich schon immer eher rein zufällig in Berlin gelebt hat, aber mit dem freien Arm kann ich wenigstens die Richtung zum Brandenburg Gate weisen.
Natürlich durfte der Oberschlaumeier in diesem Szenario nicht fehlen: Kaum eingetroffen, laberte mich ein "Fake"-Sowjet-Soldat, mit dem man sich gegen Geld ablichten darf, an und meinte, ich stünde hier sehr ungünstig, da sich Touristen an einer Audio-Säule über deutsche Geschichte informieren sollen. Wie "gut", dass das von jemanden so kompetenten wie ihm kommt: Träger von Fantasie-Uniformen sind ja zu solchen Anweisungen berechtigt, wie jeder weiß. Ich probierte mal den einen oder anderen Lick auf der Melody Maker Harp aus - mehr oder minder ein Proben im Freien, denn die Mehrzahl der Besucher war schon übersättigt von all den Eindrücken, die auf sie im Laufe des Tages eingeprasselt waren.

Yesterday I played one 45-minute set with the harmonica, the Vox amp and my playbacks at the following three locations.
1. Tempelhof (Tempelhof harbor on the side of the Ullstein building): This place is more of suburb than downtown. People see rarely tourists or buskers. Not a bad thing :-) Because of that fact I proably get more attention than usual. Tempelhof was in a good mood yesterday. Maybe not the people who only work there and are trying to leave as fast as they can but the people from the neighbourhood. Those who want to know the "real" Berlin should make a trip over there once: unspectacular, not self-important or hip. No Berlin-hype over here - I wonder how long. All the "innovative" people and hipsters are only around the corner in Neukoelln.
2. Schlossstrasse near Titania Palast. I found one shady spot and then start to play. By accident my mother runs into me. Her friend wonders why she is talking to this strange busker :-) But on this Wednesday in summer the people hurry home, to the garden or parks, to a lake or the swimming pool. They do not care to much for music and it is more tha understandable. In fact if I had known the weather report longer before I would not have played here at all.
3. Potsdamer Platz. A tourist trap par excellence: Fake-Sowjet-Soldiers, a small portion of "The Wall", fast food, expensive food, shopping malls, Rischkas etc.. My advice for tourists: Better ignore it and go right to the Brandenburg Gate (unless you see a Busker namend Framat :-)

Kommentare

Hi Frank! Habe bereits auf yt kommentiert, so glaube ich:)Aber jetzt noch nochmal..mir gefällt es sehr gut!...habe viel an dem Boris Vian cover geübt, so daß ich noch gar nicht groß zum Lesen der Artikel gekommen bin. Gestern abend lief im TV ein Mitschnitt von John Scofield, so daß ich noch mal Zeit andersweitig genutzt habe...werde aber alles nachholen.
VG, Heino

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....ist natürlich auch sehr gut, Heino. Französisch kann ich nicht mehr bzw. genau genommen noch nie. Aber das Chanson klingt gut. Bei dem Ytuber La Gormine (ein Kommentator deines Covers) bin ich mir übrigens nicht sicher, ob er wirklich so schlecht englisch spricht oder einfach seinen franz. Akzent mit Absicht so schwer betont :-)Habe ihn lange nicht mehr singen gehört, aber wenn das jemand in deutsch oder russisch macht, bekommt er gleich "Schimpfe" :-) aber ehrlich gesagt, finde ich diese Akzente auch nicht "schlimmer", wenn man da überhaupt von "schlimm" reden kann.
Grüße
Frank
Gruß
Framat

Mir kam es bei diesem chanson auf die message an...deswegen wollte ich das so gut wie möglich portieren.
Hugo (La Gormine) kann ich noch nicht so recht beurteielen, da ich ihn vor kurzem entdeckt habe. Eins meiner Lieblingszitate stammt von Bob Brozman, mag es jetzt aber nicht wiederholen:).
Danke nochmal für die Einführung in das J.Blood Ulmer tuning..das spiele ich am liebsten im liegender Position..
Grüße, Heino
P.S: Es tut gut, mit Leuten zu kommunizieren,die echt was drauf haben. Gerd ( Handkäse, Rippche mt Sauerkraut, Ungarn..du weißt schon)schätzt Dich auch sehr-Mit dem (er wohnt nicht weit von mir entfernt) werde ich bald was produzieren.

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Bei Brozman war ich schon immer etwas gespalten. Der kam als Typ doch relativ unsymphatisch, besser-wisserisch und wichtig-tuerisch rüber; er hatte schon sehr verquere Ansichten: z.B. hatte er Theorien über Musiken von Kolonial-Völkern und kolonialisierten Völkern, die im Prinzip nur auf bloße Behauptungen ruhten; und dann machte er noch so eine Art von "bashing" bei Ry Cooder (von dem ich nicht einmal viel kenne) etc.. Sein übertriebener Gesang stört bei seinen Liedern fast immer. Technisch war er brilliant; leider hat er das oft zu sehr betont. Bei Lehr-Videos macht das zwar Sinn, aber bei seiner Art von Musik war das manchmal zu viel. Auch seine Behauptungen über die Dynamik zwischen Western- und Resonator-Gitarre sind übertrieben. Es gab mal auf YT ein Video TALKING about Charley PATTON - da hat er sehr gute Beiträge gemacht. Ich werde mir deine Kanal auch noch näher zu Gemüte führen.
Gruß
Frank

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Ich dachte das kommt von Frank Zappa, der übrigens JOHNNIE GUITAR WATSON für einen der bedeutesten Gitarristen hielt. Hatte er jedenfalls in einem Interview behauptet.

FZ war tatsächlich der Urheber..habe ihn nur benutzt:)
LG, Heino

Servus Frank! Vielleicht kennst Du die Nickelharpa aus Schweden...habe versucht, sie in meinem letzte upload auf youtube zu impersonieren. Du hast mich ein wenig angesteckt mit diesem Open E5 tuning..nach einer Minute war das Intro zu meinem neuen Lied geboren.
Danke für die Inspiration,
Heino

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Die kenne ich nicht. Die A5-tuning ist auch sehr schön, nur leider hält sich die Stimmung nur schwer. Die dicke Saite auf A gestimmt, ist dann doch schon jenseits von Gut. Irgendwie bracht man da eine dickere Saite. Ulmer hat ja einen anderen Saitensatz für die A-Stimmung, der mir aber unbekannt ist.
Vielen Dank für deine positiven Rückmeldungen.

Die dicksten Saiten, die ich kenne sind ein 16 Satz (aber für Baritongitarre)...Ich benutze einen 13 Satz...so hat meine Crafter (eher mitten -und höhenlastig)mehr Tiefgang. Aber gerne doch..Ehre, wem Ehre gebührt.
Gruß, Heino

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